January14
Als Rapper hat man es nicht einfach. Man ist so quasi das ungeliebte Stiefkind der Musikszene. Rapper können in der Regel keine Instrumente bedienen, weder Noten lesen noch schreiben und haben von klassischer Musik in etwa soviel Ahnung wie Paris Hilton von Gartenarbeit. Das war mir immer bewusst, ich habe mich nie diesbezüglich aufgespielt und deshalb habe ich stets versucht, aus meinen musikalischen Mitstreitern zu lernen. Irgendwie hat das auch funktioniert, sonst würden kaum 2 goldene Schallplatten zu Hause hängen und auch die 6 aufeinanderfolgenden Top 20 Alben sprechen doch irgendwie für sich, oder?
Als Rapper ist man naturgemäss gefundenes Fressen für andere Musiker, wenn es um künstlerische Integrität oder Handwerk geht. Freiwild geradezu. Und in Chur gibt es einen Musiker-Recken, der offenbar wirklich von mir besessen zu sein scheint. Er treibt sich in meiner Stammkneipe herum und erzählt jedem - auch den nicht Interessierten (und das sind definitiv EINIGE inzwischen) - wie wenig er von mir, meiner Musik und meinem Lebensstil hält. Damit habe ich kein Problem. Ist ja auch völlig in Ordnung. Er selbst ist ausgebildeter Dirigent mit Fachkunde Blasinstrument irgendwas - ein richtiger Musiker eben. Etwas jünger als ich und vermutlich verdammt gut in seinem Job. Denn nach einem kürzlichen verbalen Disput von uns beiden war am Folgetag auf seinem Facebook Profil sinngemäss zu lesen: “Ich frage mich wieso der Begriff Musiker nicht urheberrechtlich geschützt ist - darf sich denn jeder Trottel Musiker nennen?”. Dieser Kommentar war sehr offensichtlich auf mich ausgerichtet und erreichte mich denn auch auf mehreren Wegen innert Stundenfrist. Auch mit solchen hinter dem Rücken abgehandelten Kindergärtnereien habe ich nicht das geringste Problem, sofern sie von einem integren Musiker ausgesprochen werden. Ich habe mit Leuten wie Xavier Naidoo, den Lovebugs, Fortunat Fröhlich, Fritz Trippel, Stress oder Toni Vescoli gearbeitet und deren Input stets wie Gold behandelt - im Wissen, dass ich nichts (über Musik) weiss, frei nach Platon.
Also ist diese Frage aus persönlichen Instinkten heraus durchaus in Ordnung, eben aus den oben genannten Gründen. Nun gibt es aber einen ganz gewaltigen, zum Himmel stinkenden Haken, der diese Geschichte für mich zur unglaublichsten Lachnummer des noch jungen Jahres macht… hört her!
Besagter ausgebildeter Musiker, nennen wir ihn der Einfachheit Gino, kritisiert mich offensichtlich sehr sehr oft und gern, zweifelt meine Integrität und mein Talent an und ist sich keiner Gelegenheit zu schade, mich durch den Dreck zu ziehen - obwohl wir bis vor wenigen Tagen nichts miteinander zu tun hatten. Wie bereits betont: kein Problem von meiner Seite, so haben sich schon SVP Räte öffentlich zum Affen gemacht und falls diese Leute reinen Gewissens ihre Meinung vertreten, regiert Meinungsfreiheit.
Gino jedoch hat in seiner Hasstirade ein kleines Detail vergessen: wir teilen einen Produzenten. Produzent ist eine Person, welche im Studio Ideen und Fachwissen zum künstlerischen Schaffen eines Musikers liefert. In meinem Fall bedeutet dies oftmals eine musikalische Idee, die ich dann textlich und gesanglich selbständig für mich oder Auftraggeber umsetze und musikalisch bei der Ausarbeitung assistiere. Nun war Gino letztens bei einem solchen Produzenten (mit dem ich notabene schon mehrere Charthits zu verbuchen habe, keep in mind) und liess sich komplette Songideen vorspielen. Er ist wie gesagt Dirigent und Fachkönner an seinem Instrument und hält mich für einen musikalischen (und menschlichen) Trottel, wie wir oben erwähnt haben. Nun, besagter Tausendsassa beliess es aber nicht beim vorspielen. Er wollte für sein “popiges Solo Projekt” (das übrigens extrem erfolglos bereits einige Jahre andauert) ganze Songs einkaufen. Komplette Produktionen: Musik, Text, Mix, Arrangement etc… also in etwa das, was bei Musicstar und Popstars die bedauernstwerten Gewinner einsingen müssen. Das, was man nur noch einsingen muss und zu 90% vom Produzenten abhängt… ich hoffe ihr versteht worauf ich hinaus will…
Nun lieber Gino, wie gesagt, ich habe grundsätzlichen Respekt vor jedem Musiker unter Gottes Sonne und ich bin durch meine Nischenerscheinung äusserst kritik- und lernfähig. Aber von einem Hanswurst wie dir, der es noch nicht einmal im Leben fertig gebracht hat einen Song oder gnade Gott sogar ein Album in die Charts zu bringen und seine kultur- und traditionsgeschwängerten Hasstiraden hinter klassischer Ausbildung versteckt, nur um dann doch Pop-Musik machen zu wollen… nunja, von einem solchen Volltrottel brauche ich mir gar nichts anzuhören. Ich habe mich nie des Erfolges wegen prostituiert oder in einem Masse verbogen, wie du es bezüglich deiner “Trottel-Aussage” alleine durch dein Pop-Projekt tust, war stets offen für Neues, Kritik und Diskussionen, habe mit Leuten von Schlager bis Techno gearbeitet und nehme mich weiss Gott nicht halb so ernst wie du. Und so komme ich auf deine Ausgangsfrage zurück: Darf sich jeder Trottel Musiker nennen? Gemäss Wikipedia darf dies tatsächlich jeder. Die Frage ist nun, welcher Musiker wiegt schwerer: der perfektionierte Interpret fremder Werke oder der passionierte Urheber eigener Stücke? Der subventionierte oder der, der die Subventionen finanziert? Der fachlich kompetente unbedeutende oder der Fachidiot mit den Hits?
Nun, ich hoffe für dich, dass du diese Fragen für dich und gemäss deinen Träumen aufrichtig beantwortest und dich noch einmal hinterfragst, was du denn eigentlich genau gegen mich hast, wenn nicht persönliche Motive?
Wie gesagt, ich habe es oft mit Idiotien wie dieser zu tun, und oft tangieren sie mich nicht im geringsten, aber da wir dieselbe Stammkneipe frequentieren, habe ich mir erlaubt, meine Gedanken schriftlich auszuformulieren und direkt der kritischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Falls du hierauf eine Antwort zur Publikation hast, werde ich diese ohne Widerrede auf meiner Webseite posten. Meine E-Mail Adresse findest du garantiert. Auf eine persönliche Aussprache lege ich im übrigen keinen Wert mehr, da ich persönlich dich nach der Episode mit meinem Produzenten als Musiker nicht mehr ernst nehmen kann, so leid es mir tut. Also take it or leave it.
Dank an alle fürs mitlesen!